8. Theatertage der beruflichen Oberschulen 2021 in Schweinfurt

Die Friedrich- Fischer- Schule wagte es: Nachdem sie bereits 2020 die 8. Theatertage vorbereitet hatte und am 13. März 2020, genau eine Woche vor dem geplanten Event, Corona die monatelangen Vorbereitungen zunichte machte, gab es jetzt am 20. März 2021 einen digitalen Theatertag. Erstmals sollten und konnten die Theatertage nicht analog durchgeführt werden, aber -Kreativität ist der zweite Vorname aller Theaterlehrer und- lehrerinnen- digital sollte doch etwas zu machen sein! Unter Federführung von OStR Friedemann Müller betrat man völliges Neuland.

 

Immerhin gingen trotz der extrem widrigen Umstände, die Proben nur mit ausgefeilten Hygiene- Konzepten zuließen , sechs berufliche Oberschulen an den Start. Aus dem MB-Bezirk Nord waren Schweinfurt, Coburg und zweimal Nürnberg, aus dem MB-Bezirk Ost Rosenheim und aus dem MB-Bezirk Süd Neuburg an der Donau vertreten. Letztgenannte Gruppe war auch der einzige Neuling in der diesmal etwas kleineren Schar der Kulturschaffenden, wo sich normalerweise 12- 16 interessierte Schulen um einen der maximal 10 Plätze bewerben.

Hybrid lief es ab: Teilweise spielten die Gruppen live in ihren Heimatschulen und wurden über Schweinfurt an die anderen teilnehmenden Schulen gestreamt, teilweise wurden digitale Werke gesendet, die FOS II schickte eine Aufzeichnung ihrer Produktion. Live saß  in Schweinfurt lediglich die Expertenrunde, allesamt Theaterlehrer an den FOSBOSen,  bestehend aus Lisa Baierl (Fürth), Gernot Helmreich (Ansbach/ Triesdorf), Brit l´Hoest (Fränkische Schweiz) und Marina Krauß (Coburg).

Eingangs begrüßte Schulleiter OStD Harald Bauer alle Beteiligten. Die Friedrich-Fischer- Schule habe sich bereits  Anfang des Schuljahres relativ rasch entschlossen, lieber einen digitalen Theatertag zu organisieren, als Gefahr zu laufen, 2021 erneut  keine bayernweiten Theatertage zu haben. Aber das Fach Theater müsse gestützt werden, denn es befähige die Schülerinnen und Schüler zur Kommunikation und fördere die Kreativität. In diesen besonderen Zeiten würde natürlich zusätzlich die Kompetenz hinsichtlich der Medientechnik vertieft. Marina Krauß, die Vorsitzende des Verbandes TaBO e.v., bedankte sich anschließend bei den Schweinfurtern für ihren Mut, dieses Format erstmals umzusetzen und freute sich, dass Schulen aus ganz Bayern vertreten waren.

Die Ministerialbeauftragte Ltd. OStD`in Heidi Hübner beglückwünschte in ihrer über MS Teams eingespielten Begrüßungsrede die Verantwortlichen der Friedrich-Fischer- Schule zu ihrer Entscheidung,  diesen Theatertag auszurichten. So werde verhindert, dass die noch junge Tradition der Theatertage an den FOSBOSen unterbrochen werde. Schultheater sei ein wertvoller Beitrag im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung, denn es eröffne Erfahrungen, die im fachlichen Unterricht so nicht möglich seien. Schweinfurt setze ein starkes Zeichen und zeige, dass Kultur trotz Corona lebt.

Nach einer kurzen Live-Performance der Schweinfurter Gruppe, die -getestet, in Schutzanzügen und größtenteils mit Mundschutz- ihre musischen Fähigkeiten zeigte, folgte der erste Beitrag. Die Gastgeber präsentierten unter der Leitung von Friedemann Müller „Breakthrough“. Das Corona- Schuljahr und seine Auswirkung auf das Schultheater wurden quasi im Zeitraffer präsentiert: Schüler und Schülerinnen probten einsam daheim vor dem PC ihre Texte, es gab kaum Begegnungen und überall waberten die Worte „Maske- Abstand- Ausgangssperre“ durch die digitalen Bilder, die mit Sätzen aus Camus` „Die Pest“ noch eindringlicher die allgegenwärtige Angst und Einsamkeit unterstrichen. Beeindruckend war auch das spektakuläre Erlöschen der einzelnen Kacheln am Schluss.

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  FOS Schweinfurt   

Rosenheim, die folgende Gruppe unter der Leitung von Susanne Braune und Kristina Neunobel,  agierte hingegen ganz analog: Ihre Darbietung „Schneewittchen-so blutrot wie Likes“ transformierte das bekannte Märchen der neidischen Königin in die Welt der Instagram- Eitelkeiten: „Handy, Handy in der Hand, wer ist die Schönste im ganzen Land“ lautete das Motto. Zwerge gab es nicht- aber eben blutrote Likes. In einfachen, aber überzeugenden Kostümen saßen sie am Rand der Bühne und „liketen“ uniform und inhaltsarm ihr Schneewittchen - eine gelungene Mischung aus Krimi und Parodie auf das Instagramtreiben.

Im Anschluss daran gingen die Schüler und Schülerinnen der zuschauenden Gruppen in die Breakout- Rooms, wo sie auf Padlets ihre Kommentare zu den Präsentationen abgaben, während sich die Expertenrunde vor Ort beriet. Letztere fasste dann die Eindrücke live zusammen, bevor es in die nächste Runde ging.

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  FOS Rosenheim  

Coburg zeigte unter der Regie von Marina Krauß die dramatisierte Ausarbeitung von Kafkas Erzählung „Der Bau“. Wie aus Rosenheim so wurde auch hier ein Live-Act gestreamt. Zwei Schülerinnen und zwei Schüler verwandelten sich in Kafkas „Wesen“, das rücksichtslos  seinen Bau schützt. Dieser wurde durch Kartons dargestellt, die immer aufs Neue mit geschreddertem Altpapier gestopft wurden. Der fortschreitende Wahnsinn spiegelte sich auch in den Gesichtern der Darsteller und Darstellerinnen, die mittels einer zweiten Kamera (Johannes Hertrich) in Großaufnahme eingespielt wurden.

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  FOS Coburg   

Neuburg an der Donau setzte „Slamming poetry“ um. Hier arbeitete die Gruppe unter Leitung von Tanja Büchl ausschließlich digital. Gleich die erste Szene, in der eine Schülerin und ein Schüler den Suchlauf eines Radios imitierten, war beeindruckend. Unter dem Motto „Wie wollen wir unser Leben gestalten? Was ist unsere Zeit eigentlich wert?“ folgten fünf Textausschnitte von Poetry- Künstlern. Zwei bis drei Kacheln wurden jeweils in Bezug gesetzt und demonstrierten so trotz der räumlichen Trennung ein überzeugendes Zusammenspiel.

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  FOSBOS Neuburg a. d. Donau  
  Wilhelm-Löhe Schule, Nürnberg  

Nach der folgenden Breakout -Sequenz ging  Moritz Metzner von der Wilhelm- Löhe- Schule  aus Nürnberg mit dem Musical „The Greatest Fernsehproduzent“ an den Start. Hier war die Umsetzung besonders schwierig, da die Dialoge und der Gesang größtenteils ohne Partner und Gruppe produziert werden mussten. Als in der Schlusssequenz alle Beteiligten digital  zu einer Chorus Line zusammengefügt wurden, konnte man erkennen, dass die jungen Darsteller und Darstellerinnen neben ihrem musikalischen gerne auch ihr tänzerisches Können gezeigt hätten.

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  FOS II aus Nürnberg   

Den Abschluss des Tages machte die FOS II aus Nürnberg unter der Leitung von Marzena Parusel und Daniel Behringer. Wie die Coburger so wandelten auch die Nürnberger eine epische Figur in viele dramatische um. „Fräulein Else“ von Arthur Schnitzler war siebenfach auf der Bühne vertreten. In einem ungewöhnlichen Setting mit zahlreichen Mikrophonen, Monitoren, Lautsprechern und Teppichen positionierten sich die Darstellerinnen und Darsteller verteilt im Raum und demonstrierten so Fräulein Elses höchst differenzierten Umgang mit einem sie fordernden Brief.

 

Gerade im Anschluss an diese sehr moderne und abwechslungsreiche Interpretation entbrannte in der Expertenrunde eine Diskussion darüber, womit das Publikum jetzt letztlich besser bedient werden könne: Mit dem Blick durch die Kamera oder dem selbst suchenden des individuellen Zuschauers, der Zuschauerin.

Carina Blümm und Friedemann Müller führten charmant und alle technischen Klippen geschickt umschiffend durch diesen virtuellen Theatertag.

 

Abschließend konnten sie noch verkünden, dass das nächste Treffen wieder zweitägig werden soll und zwar in Rosenheim 2022.